23. Juli 2019

AKTUELLES

Obwohl Umwidmungsverfahren läuft:

Rätselraten um LASK-Stadion

Die Baustelle ist noch in weiter Ferne oder es wird sie vielleicht nie geben, doch das beim Linzer Pichlingersee vorgesehene LASK-Stadion ist in aller Munde. Alle reden darüber, nur der LASK schweigt. Auch eine Anfrage von „Hallo“ blieb unbegründet unbeantwortet. Wir versuchen einen Fakten-Check zu diesem Rätsel.


Projektgegner Lorenz Potocnik auf dem Acker, wo das Stadion hinkommen soll.

„Wenn sie uns ein gutes Projekt auf den Tisch legen, werden wir das unterstützen,“ sagt der neue Sport- und Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner (ÖVP). Anscheinend kennt auch er keine Details. Jedenfalls findet man in der Politik und bei Behörden offiziell niemanden, der konkrete Stadionpläne zu Gesicht bekommen haben will. Seit die OÖ Nachrichten im März das Standortgeheimnis gelüftet haben, wird heftig diskutiert und spekuliert.
Eines ist sicher: Das Stadion beim Pichlinger Lido, der größten Naherholungszone der Landeshauptstadt, ist keine Fata Morgana. Der LASK  hat beim Magistrat Linz einen Antrag auf die Umwidmung von zwei Grünflächen in der Gesamtgröße von  etwa 20 Hektar im unmittelbaren Seebereich eingebracht.
„Die Behörde prüft jetzt diese Umwidmung in Bauland. Es ist aber auch die Sonderwidmung für Grünland mit Sportanlage möglich. Meines Wissens ist das auch beim Waldstadion in Pasching der Fall,“ erklärt FP-Stadtrat Markus Hein, zuständig für die Linzer Raumplanung. Hein betont: „Es gibt keine konkreten Pläne. Ich weiß nur, dass das Stadion UEFA-tauglich werden und es direkt beim Stadion 1.000 Parkplätze geben soll.“
1.000 Parkplätze für wie viele Besucher? „Es soll 16.000 Sitzplätze geben und einige tausend Stehplätze,“ sagt NEOS-Gemeinderat Lorenz Potocnik. Der Stadtentwickler ist ein vehementer Gegner des Stadions am See. Er kritisiert nicht nur die Geheimaktion des LASK, sondern verweist vor allem auf die fehlende Infrastruktur und die Zerstörung von Grün- und Ackerland. Potocnik: „Es gibt nicht einmal einen Kanal, die Verkehrsanbindung ist eine Katastrophe.“ Hier würden enorme Kosten für die öffentliche Hand entstehen, so der Gemeinderat.
Die Prüfung der Flächenumwidmung durch die Stadt findet also ohne konkrete Unterlagen statt, während parallel dazu der LASK angeblich Baukonzerne eingeladen hat, Projektvorschläge zu machen. Sollte die Umwidmung samt strategischer Umweltprüfung, die in diesem Verfahren vorgeschrieben ist, durchgehen, steht eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ins Haus. „Da steht es dann Spitz auf Knopf. Da wird es richtig heiß,“ sagt Oberösterreichs Umweltanwalt DI Dr. Martin Donat, der auch noch keine exakten Pläne gesehen hat. Ein langes Verfahren hält Donat angesichts der Widerstände für realistisch.
Besonders spannend macht die ganze Angelegenheit, dass sich das Stadionprojekt über zwei große Flächen erstrecken soll. Hier das Stadion mit 1.000 Abstellflächen, Trainingsgelände und Nebengebäude, etwa 400 Meter weiter westlich weitere Park- und Trainingsplätze. Gerüchteweise soll hier auch eine Sporthalle entstehen, wobei unbekannt ist, wer diese Halle als Bauträger verantworten und finanzieren soll. Sie könnte ein bewusstes Ablenkungsmanöver sein, um einen breiteren Konsens für das Stadion zu bekommen. Jedenfalls weiß über diesen „Nebenschauplatz“ offiziell wieder niemand Bescheid, doch das Umwidmungsverfahren läuft.
Interessant und eigenartig ist auch, wie sich der Fußballklub die entsprechenden Grundstücke gesichert hat. Die größte Fläche für das Stadion gehört einem Landwirt aus Niederneukirchen, der dem LASK etwa 10 Hektar für 80 Jahre verpachtet und dafür jährlich 150.000 Euro kassiert. Ein riskantes Geschäft. Geht der Klub einmal pleite, was der Fußballgott verhüten möge, doch angesichts der LASK-Vergangenheit ist diese Möglichkeit nicht ganz auszuschließen, dann schaut der Landwirt durch die Finger und auf ein Fußballstadion auf seinem einstigen Ackerland. Bodenproben ergaben, dass das Stadion näher an die B 1 rücken müsste, die Fläche bis fast zum See wird trotzdem gebraucht.
Am zweiten Schauplatz, direkt an der B 1 bei der Abzweigung zum Südpark gelegen, treten mehrere Landwirte als Verpächter auf. Darunter ein schlauer Bauer aus St. Florian, der den Braten gerochen haben dürfte, und sich kurz vorher hier extra ein Grundstück gekauft hat. Wird tatsächlich gebaut, kann er beim Pachtzins mitschneiden.
Dafür, dass die Diskussionen nicht abreißen werden, sorgt der NEOS-Gemeinderatsantrag auf Abhaltung einer Volksbefragung. „Neues LASK-Stadion: Sind Sie für oder gegen den Standort am Pichlingersee?“ könnte die Frage lauten. In der nächsten Gemeinderatssitzung am 24. Jänner wird über die Volksbefragung abgestimmt. Kommt es zu einem Nein, bleibt die Möglichkeit, durch die Unterstützung von vier Prozent der Linzer Wahlberechtigten, das sind 6.000 Unterschriften, eine Volksbefragung zu erzwingen. Lorenz Potocnik: „Wenn es notwendig wird, werde ich alles dafür tun, dass diese Unterschriften zusammenkommen.“
Die Befragung soll noch vor dem Sommer stattfinden, gemeinsam mit der EU-Wahl am 26. Mai kann sie aber nicht stattfinden. Das hätte die Organisation erleichtert und Kosten gespart, „ist aber rechtlich nicht möglich,“ so Lorenz Potocnik.